Interview mit Myriel Walter, Brand Relations Director bei Europe Hotels Private Collection

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»Wer sich selbst zeigt, gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, das Gleiche zu tun.«

 

Über Myriel Walter

Myriel Walter ist Brand Relations Director bei Europe Hotels Private Collection. Als Expertin für zwischenmenschliche Beziehungen hört sie auch bei Karrierefragen auf ihre Intuition und hat so Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen gesammelt, die ihr eine stetige Weiterentwicklung ermöglicht haben. Nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin und einem Kulturmanagement-Studium zog sie spontan nach London, um für das Musiklabel BBE die Märkte Deutschland, USA, Frankreich und Japan im Bereich Event und PR zu betreuen. Um ihrer Tochter Mila eine Kindheit in einer weitläufigeren und grüneren Stadt zu ermöglichen, zog sie in der Schwangerschaft zurück nach Berlin, wo sie als Press Director die Bereiche Events, Kommunikation und Partnerschaften für das Cookies Netzwerk verantwortete. Danach leitete sie zweieinhalb Jahre das Membership Department des Soho House. Im Interview mit Myriel haben wir unter anderem erfahren, was gute Beziehungen ausmacht, wie Kultur entsteht und warum echte Begegnungen im digitalen Zeitalter essenziell sind.

 

Name: Myriel Malter

Profession: Brand Relations Director

Unternehmen: Europe Hotels Private Collection

 

Bei deiner Arbeit dreht sich schon immer Vieles um Beziehungen. Wie baut man fruchtbare geschäftliche Beziehungen auf?

Für eine fruchtbare Beziehungsgestaltung ist ein Vertrauensvorschuss genauso wichtig wie Authentizität und Mut. Nur so schafft man einen echten Moment der Begegnung. Wer sich selbst zeigt, gibt dem Gegenüber die Möglichkeit, das Gleiche zu tun. Besonders bei Partnerschaften und geschäftlichen Beziehungen ist es essentiell, vorab zu wissen, wer die andere Person ist und wonach sie  sucht. Kennt man das tragende Moment einer Partnerschaft, sollte man auf eine transparente Kommunikation beider Parteien setzen.

 

Wie ermöglicht ihr bei Sir Hotels authentische Beziehungen?

An unseren Standorten in Ibiza, Hamburg, Berlin und Amsterdam haben wir starke Persönlichkeiten einbezogen, die in unserem Format Sir Explore unsere Gäste an ihren Talenten von Styling über Kräuterwanderung bis zum Workshop für den perfekten Joint teilhaben lassen. Es war wundervoll zu beobachten, wie sich die Communities in den einzelnen Städten induviduell entwickelt haben. Durch die neun Menschen, die wir uns in jeder Stadt ausgesucht haben, ermöglichen wir unseren Gästen einen besonderen Blickwinkel auf die Stadt, der nirgendwo anders möglich wäre.

 

Welchen Rat kannst du Gründerinnen für den Aufbau eines starken Netzwerks geben?

Es ist wichtig, auch für Möglichkeiten außerhalb des Altbekannten offen zu sein. Mich selbst erstaunt immer wieder, wie oft mich Menschen aus ganz anderen Kontexten weitergebracht haben. Neben einer großen Offenheit sollte man auch auf die eigene Intuition hören. Wo kann man sich gegenseitig befruchten? Wo ist es möglich, sich gemeinsam zu entwickeln und zu wachsen? Bei diesem Prozess ist es wichtig, sich möglichst wenig Grenzen und mentale Barrieren zu setzen und auf die innere Stimme zu hören. Auch in unserer digitalen Welt sind es vor allem persönliche Begegnungen, die uns berühren und inspirieren.

 

Der erste Berührungsmoment mit euren Hotels passiert oft online. Wie funktioniert Hospitality digital?

Durch das Digitale entstehen andere Möglichkeiten, Menschen zu erreichen und Gemeinschaft zu organisieren. Communitybuilding lässt sich digital fortführen und intensivieren, daher ist das Internet ein wichtiges Tool für Hospitaliy. Es geht auch bei digital Hospitality in erster Linie darum, das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein und als die Person erkannt zu werden, die man ist. Wir besuchen bestimmte Orte immer wieder, weil wir ein Gefühl der Wärme und des Aufgehobenseins erfahren. Unser Ziel ist es, das auch in unserem digitalen Zuhause erlebbar zu machen.

 

Du verwendest den Begriff ‘Cultural Engineering’. Was verbirgt sich dahinter?

Es bedeutet, Orten eine Seele zu geben, sie kulturell zu füllen und zu aktivieren. Das ist einer meiner liebsten Aufgaben. Bei meiner Arbeit dreht sich vieles um die Frage, was wir kulturell integrieren können, was das Haus zum Wohlfühlen braucht und wie wir die Community stärken können. Wenn man die richtigen Partner findet, kann ein Ort eine Seele zu entwickeln und erlebbar werden. Um das zu erreichen, haben wir verschiedene Veranstaltungen etabliert. Im Sir Savigny haben wir zum Beispiel die »Books & Booze« Serie, in Ibiza haben wir eine Talkreihe rund um die Frage „What’s the Future?«. Erlebbare Brand Identity spüren am Ende nicht nur die Hotelgäste, sondern auch die Mitarbeiter und die Community.

 

Wie können Unternehmen eine authentische Kultur entwickeln?

Kultur muss Wertigkeit und Zeit gegeben werden. Es muss für Mitarbeiter Möglichkeiten geben, eigene Ideen umzusetzen. Das heißt, auch Arbeitszeit dafür verwenden zu dürfen. Es ist ein Prozess, der zum einen Raum braucht und zum anderen eine einfühlsame Person, die es schafft, die Werte des Unternehmens zu verstehen und zu integrieren. Wie viel Kapazität die Entwicklung einer authentischen Kultur benötigt, kommt auf die Größe des Unternehmens und auf die Vielfältigkeit der Werte an, aber 20% der Arbeitszeit der richtigen Person wäre meine intuitive Einschätzung.

 

Worüber würdest du abschließend noch gerne sprechen?

Ich möchte gerade alleinerziehende Mütter ermutigen, ihren Weg zu gehen und sich nicht verunsichern zu lassen. Die Mutterrolle und die Karriererolle können sehr gut zusammenpassen, wenn man das möchte.

 

Myriel, vielen Dank für das Interview!

Leila Oppermann