Interview mit Daniela Mezzapesa, Managerin des Friseursalons »Bordel!«

 links: Simone Greve. rechts: Daniela Mezzapesa.

links: Simone Greve. rechts: Daniela Mezzapesa.

 

»Bestehen kann man nur, wenn man offline hält, was man online verspricht.«

 

Über Daniela Mezzapesa und Simone Greve

Simone hat Geschichte studiert, Daniela wollte eigentlich Psychologin werden. Das ist zum Glück anders gekommen: Heute leiten die beiden die Salons »Bordel!« in Berlin Mitte und Schöneberg. Kennen tun sie sich schon lange: Daniela hat bei Simone gelernt und beide haben davon geträumt, einen Ort zu schaffen, an dem sich interessante Menschen aus aller Welt treffen und beseelt und gut gestylt wieder nach Hause gehen. Nach Zwischenstationen an diversen Filmsets, Fashion Events, Werbedrehs für große Marken wie Coca Cola und Styling für Stars wie Madonna ergab sich plötzlich die Möglichkeit, »Bordel!« zu übernehmen. Vor Kurzem haben sie ihren zweiten Salon in Mitte aufgemacht, den Daniela leitet. Mit ihr haben wir darüber gesprochen, was ihren Markenkern ausmacht, wie man ihn aufrechterhält und wie man gute Mitarbeiter nicht nur findet sondern auch glücklich macht.

 

Name: Daniela Mezzapesa

Profession: Friseurin, Visagistin, Managerin

Business: Salon »Bordel!«

 

Ihr seid mehr als ein Ort zum Haareschneiden - was gehört dazu, aus einem Friseurladen eine Marke zu entwickeln und was war euch dabei wichtig?

Da kommen natürlich viele Faktoren zusammen. Angefangen bei der gleichbleibenden Qualität über all die Jahre, hin zu den mit bedacht gestalteten Räumen beider Läden in Zusammenarbeit mit (den Meyer | Ott ) Architekten und einem rundum professionellen Auftritt nach außen, von Visitenkarte bis Internetseite.  Natürlich ist bei der ganzen Unternehmung ein gut geschultes Personal einer der Hauptfaktoren. Eine Marke kann nur entstehen, wenn sie für etwas steht.

 

Ihr wart einer der ersten Berliner Salons mit einer starken Online-Präsenz. Wie macht man ein Offline-Handwerk auch digital erfolgreich?

Es geht in erster Linie darum, gefunden zu werden. Wir gehörten damals zu den Ersten in der Branche (in Deutschland, wohl bemerkt!), die online Termine angeboten haben und zu den Wenigen, die eine gut gestaltete Webseite hatten. Das hat sich von der ersten Sekunde an ausgezahlt. Sei da wo dein Kunde ist. Und der ist heutzutage nun mal online. Da führt meiner Meinung nach kein Weg daran vorbei, wenn man eine gewisse Anzahl an Kunden erreichen will. Facebook und Instagram sind ebenso ein absolutes Muss. Bestehen kann man natürlich nur, wenn man offline hält, was man online verspricht. Im Zeitalter der Sternchen und Bewertungen geht man ganz schnell unter, wenn die Bewertungen negativ ausfallen und man nicht reagiert.

 

Heute geht kaum noch jemand ohne vorherige Recherche zum Friseur. Wie verändert sich die Beziehung zum Kunden im digitalen Zeitalter?

Grundsätzlich hat man heute schon im Vorfeld deutlich mehr Informationen von seinem Gegenüber als früher und damit auch konkretere Erwartungen. Wer sich meinen Instagram Account anschaut, weiß, was ich mache und wie meine Arbeiten aussehen. Umgekehrt natürlich auch. Man ist deutlich vernetzter miteinander und nimmt mehr am Leben des anderen teil. Man hält auf gewisse Weise Kontakt. Früher hat man von seinem Kunden bis zum nächsten Besuch nichts mehr gehört. Heute kommentiert und registriert man alles was dazwischen stattgefunden hat. Aber so ist das mittlerweile ja überall. Wer da verweigert und nicht mitzieht, verstaubt auf lange Sicht.

 

Es gibt immer weniger Nachwuchsfriseure. Nach welcher Art von Mitarbeitern sollte man heutzutage suchen und wie kann man sie halten?

Welche Mitarbeiter man braucht, kommt ganz darauf an, was für einen Salon man hat. Ist es ein sehr großes Unternehmen, das bis aufs Dach ausgebucht ist? Dann braucht man Mitarbeiter, die erscheinen und abarbeiten können - da ist es auch nicht so wild, wenn mal einer quer schlägt. Ist man kleiner, braucht man Mitarbeiter mit viel Energie und Eigeninitiative, die Kunden anziehen und sich gut ins Team einfügen können. Da spielt die persönliche Ebene eine viel größere Rolle. Auch hier ist es wichtig, in Kontakt zu bleiben, zu kommunizieren und Erwartungen zu erfüllen. Das gilt auch andersherum: Die Kollegen wollen einen Arbeitsplatz haben, der ihnen Spaß macht, an dem sie sich wohlfühlen können und der ihnen Abwechslung bietet. Gehalt und Weiterbildung spielen natürlich auch eine Rolle. Wenn man dem gerecht wird, stehen die Chancen gut, dass man länger etwas voneinander hat.


 

Ihr habt gerade einen zweiten Standort in Mitte eröffnet - warum zwei Salons und was ist im neuen Laden anders?

Es war an der Zeit für uns. In den vergangenen zehn Jahren sind wir erwachsener geworden und an unseren Aufgaben gewachsen. Wir waren an einem Punkt, an dem wir entscheiden mussten, stehen zu bleiben und zufrieden zu sein so wie es ist, oder uns ein neues Ziel zu setzen und Vollgas zu geben. Wir haben uns für Zweiteres entschieden!

Was die beiden Läden maßgeblich unterscheidet, ist das Konzept. In Mitte haben wir die Hairstylisten und die Koloristen getrennt. Jeder ist auf seinem Gebiet spezialisiert. Außerdem verwenden wir hier ausschliesslich unsere eigene „Bordel! Natural Care Born in Berlin“ Hair & Body Pflegeserie. Die Produkte sind 100% bio und haben eine Haltbarkeit von etwa einem halben Jahr, da nur drinnen ist was drin sein muss. Passend zum Salon Namen heisst das Shampoo z.B. „Love“ und der conditioner „Lust“. So ist ein stimmiges Konzept entstanden mit hohem Anspruch an Qualität und einem leichten Augenzwinkern.

 

Was kommt als nächstes?

Wir sind nicht typisch Friseur und wollen auch keinen friseurigen Laden haben. Unser Ziel ist nach wie vor, up to date und international zu sein und kreativen Köpfen aus aller Welt einen Treffpunkt und so vielen Menschen wie möglich einen Ort der Inspiration zu bieten. Wenn sich der zweite Laden mit neuem Konzept bewährt, wollen wir international weiter wachsen.

 

Liebe Daniela, vielen Dank für das Interview!

Leila Oppermann