Interview mit Lea Lange, Gründerin des Kunst-Startups »Juniqe«

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»Ich mache mir gerne die Hände schmutzig«

 

Über Lea Lange

Lea Lange ist eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen Europas. Gemeinsam mit ihren Mitgründern Marc Pohl und Sebastian Hasebrink vertreibt sie über ihr Startup »Juniqe« bezahlbare Kunst für die Wände und hat dafür zweistellige Millionenbeträge von Investoren eingesammelt. Ab März 2018 ist sie außerdem neben Carsten Maschmeyer in der Sat1 Show »START UP! Wer wird Deutschlands bester Gründer?« zu sehen und ist damit eines der sichtbarsten Vorbilder für angehende Gründerinnen im Fernsehen. Bevor sie 2013 selbst gegründet hat, hat Lea Zwischenstopps bei »Ernst & Young«, »Roland Berger«, »Cascanda« und »Fab« gemacht. Wir haben mit ihr unter anderem über Wachstum, Durchhaltevermögen und die Wichtigkeit von Vertrauen gesprochen.

 

Name: Lea Lange

Profession: Gründerin

Startup: Juniqe

 

Warum bist du Gründerin geworden?

Nach meinem Masterstudium bin ich bei »Casacanda« eingestiegen, einem Möbelstartup, das von »Fab« gekauft wurde. Marc und ich hatten mit den Gründern studiert und waren die ersten beiden Mitarbeiter. Wir waren ab Tag 1 dabei und haben zwei Jahre lang jede Entwicklung mitbekommen. Dabei ist uns klar geworden, dass der nächste Schritt ist, selbst zu gründen. Gleichzeitig entspricht das Gründerdasein meinem Naturell. Ich mache mir gerne die Hände schmutzig, finde Lösungen für Probleme, und mag es, dass jeden Tag unheimlich viel passiert.

 

Was gefällt dir am besten an deiner Arbeit, was treibt dich an?

Man sieht jeden Abend, was man am Tag erschaffen hat und kann die wichtigen Entscheidungen selbst fällen. Dazu kommt, dass man signifikant die Arbeitskultur und die Auswahl der Mitarbeiter mitbestimmen kann.

 

Ihr habt zu dritt gegründet. Wie ist es dazu gekommen?

Die ersten Monate waren Marc und ich zu zweit, Sebastian ist ein paar Monate später dazu gekommen. Die beiden kannten sich aus dem Studium und das war die richtige Entscheidung. Zu zwei zu gründen hat mit Sicherheit auch seine Vorteile, aber für uns funktioniert es zu dritt sehr gut. In Diskussionen geht es nie 1 gegen 1, sondern man hat noch eine dritte Sichtweise. Außerdem sind wir so in der guten Situation, dass wir alle Abteilungen der Firma unter uns aufteilen konnten. So haben wir dafür gesorgt, dass jede Abteilung ein hohes Maß an Aufmerksamkeit bekommt. Es macht auch einen Unterschied, ob man die Verantwortung für eine Firma alleine, zu zweit oder zu dritt trägt.

 

Nach welchen Kriterien sollte man seine Mitgründer aussuchen?

Dass wir uns schon vorher kannten und schon mal zusammen gearbeitet haben, ist für uns der Best Case. Gerade in den ersten 2 Jahren haben wir rund um die Uhr gearbeitet und mussten viele schwierige Entscheidungen treffen. Wenn man auch unter Stress gut zusammen arbeiten kann und sich vertraut, hilft das sehr. Man sollte also auf jeden Fall darauf achten, dass man die gleiche Vision teilt und es ein solides Grundvertrauen gibt. Außerdem sollte man unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen. Wir unterscheiden uns in manchen Bereichen stark und ergänzen uns wie ein Puzzle, das ist ein riesiger Erfolgsfaktor.

 

Ihr wachst europaweit. Worauf achtet ihr dabei?

Ab Tag eins gab es »Juniqe« auf Deutsch und auf Englisch und ab Tag eins haben wir auch in 13 Länder in Europa verschickt. Heute sind unsere Kernmärkte Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, UK und die Niederlande und es gibt uns in vier Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch. Wir gehen Schritt für Schritt vor und haben erstmal überlegt, wo der Markt für eCommerce am größten ist und es eine hohe Affinität zu Interior und Einrichtung gibt. Eine Zeit lang haben wir viel in den Nordics gemacht, haben uns dann aber auf Frankreich und UK konzentriert, weil dort das Wachstumspotenzial am größten ist.  

 

Was treibt dich an und was hat dir dabei geholfen, dein Ziel immer weiter zu verfolgen?

Ich bin jemand, der Dinge relativ wenig in Frage stellt. Ich habe mich in den ersten Jahren voll darauf konzentriert, möglichst viel zu schaffen und vorwärts zu kommen. Ich glaube, dass das nicht schlecht war, weil Zweifel den Fokus und die Energie in eine andere Richtung lenken. Am Anfang hat man unglaublich viel zu tun und muss sehen, dass man das in den Stunden, die man pro Tag hat, überhaupt schafft. Und auf das Gründerteam bezogen: Wir haben uns immer wieder dazu gezwungen, uns auf die Themen zu konzentrieren, die das Business weiterbringen und einen direkten Hebel auf den Umsatz haben. Man schafft nie alles und muss sich fragen, wo die Prioritäten liegen. Ich sehe oft Leute, für die das eine Herausforderung ist. Die Prioritäten tragen wir auch an unsere Mitarbeiter weiter. Wir legen regelmäßig fest, welche Projekte in den nächsten Monaten am meisten Aufmerksamkeit bekommen.

 

Wie kann man mehr Frauen dafür begeistern, selbst zu gründen?

Ich denke, ein Grund für den Gründerinnenmangel ist, dass es so wenig Vorbilder gibt. Natürlich gibt es sie, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt - aber eine handvoll Frauen, die in den Medien präsent sind, verglichen mit all den Männer in den verschiedensten Sparten, das ist immer noch sehr wenig. Mit der Zeit wird sich das auf natürliche Art und Weise entwickeln, aber das wird noch dauern. Ich glaube auch, dass die Frauen, die schon erfolgreich gegründet haben, eine gewisse Verantwortung haben. Das kann im eigenen Unternehmen anfangen, indem man die eigenen Mitarbeiterinnen ermutigt und auch mal an ihre Grenzen bringt. Und nach außen kann man anderen Frauen die Möglichkeit geben, mit einem in Kontakt zu treten. Es müssen sich nicht alle auf jede Bühne stellen aber man kann sich eine Sache suchen, die einem liegt, um auch konkret mit externen Frauen in Kontakt zu treten.

Lea, Vielen Dank für das Interview!

Leila Oppermann