Interview mit Sabine Fäth, Gründerin des Startups »SCRIBERS[HUB]«

Sabine Fäth.jpg

»Ständig am Produkt zu arbeiten, das hört nie auf«

 

Über Sabine Fäth

Was macht man, wenn man in der journalistischen Laufbahn oben angekommen ist? Sabine Fäths Antwort: Neugierig bleiben und etwas Unbekanntes wagen. Nach einer sehr erfolgreichen Karriere im Verlagswesen hat die langjährige Chefredakteurin von Frauenzeitschriften (zuletzt "Für Sie") ihre Expertise in ein digitales Geschäftsmodell übersetzt. Die Gründerin des Startups »SCRIBERS[HUB]« beschreibt ihr Produkt als »Parship für Texter und Textsuchende«. »SCRIBERS[HUB]« fungiert als erweitertes Netzwerk für Schreiber, die nach Kunden-  und für Unternehmen, die nach hochwertigem Content suchen. Wir hatten die Freude, mit ihr im Ada-Interview über das Lernen, über Selbstvermarktung und mehr zu sprechen.

 

Name: Sabine Fäth

Profession: Gründerin

Startup: SCRIBERS[HUB]

 

Warum hast Du »SCRIBERS[HUB]« gegründet?

Ich habe einen Mangel gesehen und niemanden, der ihn behebt. In dem Moment, in dem ich meinen Job als Chefredakteurin bei »Für Sie« gekündigt hatte, ist etwas mit mir passiert und die Idee ist immer konkreter geworden. Ich hatte mich über meine Arbeit mit Verlagshäusern schon viel mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt und hatte den Drang, noch mehr darüber zu lernen. Ich habe angefangen, mich zu vernetzen und tiefer in das Thema einzutauchen. Die Idee zu »SCRIBERS[HUB]« kam dann durch die Erfahrung, dass es immer mehr Freelancer gibt und gerade die Generation Y verstärkt als "digital nomads" unterwegs ist. Das hat den Markt der Freischaffenden sehr intransparent gemacht. Jedes persönliche Netzwerk ist endlich und wenn man es nicht ständig erweitert, arbeitet man schnell mit den immer gleichen Leuten zusammen. In Innovationsphasen ist es dann gut, wenn man sich an eine Plattform wenden kann, die vorselektierte Schreiber und Experten für spezifische Themen vermitteln kann. Und gerade bei gutem Content-Marketing gilt die Devise: "kluge Inhalte brauchen kluge Köpfe".

 

Wie hast du den Übergang von Festanstellung zur Gründung gestaltet und was würdest du anderen raten?

Ich würde jedem raten, die Zeit und Muße zu nehmen, zu sich zu kommen, vielleicht mal etwas ganz anderes zu machen und den Blick für Neues zu öffnen. Ich bin zweieinhalb Monate um die Welt gereist und bin in Australien in die Gründerszene eingetaucht. Das hat mir sehr viel neuen Input und Tatendrang gegeben. Je nach Lebenssituation kann es auch sinnvoll sein, erstmal zweigleisig zu fahren, sich Co-Founder zu suchen und abzusprechen, wer wann Vollzeit in das Startup einsteigt. So verteilt man das Risiko. Wenn man jung ist, ist es sinnvoll, sich einen reifen Sparringpartner zu suchen, der mehr Gelassenheit und Erfahrung mitbringt. Gemischte Teams führen allgemein zu mehr Erfolg, weil man aus einem breiteren Erfahrungsschatz schöpfen kann.

 

Du bist Solopreneurin. Wo siehst du die Vorteile und was ist vielleicht auch schwieriger?

Die Idee war so stark in mir, dass ich auf jeden Fall alleine starten wollte und nicht gezweifelt habe. Ich bringe viel Führungserfahrung mit und habe mir das Projekt von Anfang an zugetraut, weil es meinem Know-How und meiner grundsätzlichen Affinität entspricht. Ein Vorteil ist, dass ich mein Office zuhause habe und das Unternehmen nach meinen Vorstellungen aufbauen und steuern kann. Ich arbeite mit Freelancern zusammen aber bin diejenige, die die Richtung bestimmt, Kundenbeziehungen pflegt und alle Texter selbst verifiziert.

 

Welche Lernerfahrung wünschst du angehenden Gründerinnen so früh wie möglich?

Man wünscht sich das nicht, aber oft will der Markt nicht so, wie man sich das vorgestellt hat. Dann sollte man nicht frustriert sein, sondern ein offenes Ohr für den Markt haben und das Produkt im Zweifelsfall ändern. Ständig am Produkt zu arbeiten, das hört nie auf.

 

Was hättest du persönlich gerne früher gewusst?

Ich habe zu Beginn viel Lehrgeld bezahlt. Bis ich eine Agentur gefunden habe, die meine Plattform online aufgebaut hat, hat es einige Zeit gedauert. Da habe ich anfangs Zeit und Geld verbrannt und hätte mir im Nachhinein bessere Ansprechpartner gewünscht, die ich um Rat fragen kann. Allgemein: Immer, wenn man sich in unbekanntes Terrain vorwagt und Neues lernt, macht man zwangsläufig ein paar Fehler. Die empfinde ich aber auch als wertvoll, weil ich meine Learnings an neue Gründer weitergeben kann. Es ist noch kein Held vom Himmel gefallen.

 

Wie funktioniert Selbstvermarktung im Digitalen Zeitalter?

Es gibt viele Menschen, die sind hervorragend in dem, was sie tun aber schlecht darin, sich selbst zu vermarkten. Gerade Frauen scheuen sich oft davor, sich in den Vordergrund zu stellen, weil sie nicht arrogant wirken wollen. Selbstvermarktung ist aber heute lebensnotwendig. Nach dem Motto "expand your personal brand" sind digitales und analoges Vernetzen unabdingbar. Außerdem muss man das, was man gut kann, auch auf verschiedenen Plattformen streuen und bekanntmachen. Ich finde es gut, wenn Journalisten ihr Texte und Ideen twittern und bei aktuellen Themen mitreden. Das war auch eine weitere Motivation, »SCRIBERS[HUB]« zu gründen. So können sich Texter eine digitale Visitenkarte aufbauen. Jeder muss für sich die Kanäle finden, die zur eigenen Persönlichkeit und Kompetenz passen und sie dann konsequent ausspielen.

 

Manche Gründerinnen kommen vielleicht gerade von der Uni und können noch nicht auf viel Arbeitserfahrung zurückblicken. Wie findet man heraus, wo die eigenen Kompetenzen liegen?

Das muss man ausprobieren. An der Uni habe ich Wissen gesammelt aber erst im Job habe ich gelernt, was ich eigentlich kann. Man sollte sich Zeit nehmen, verschiedene Jobs und Branchen auszuprobieren. Denn Vorsicht: wer zu früh nach oben steigt, kann auch schnell verheizt werden. Außerdem hilft es, sich mit erfahrenen Gründern auszutauschen und Mentoren zu suchen.

 

Sabine, vielen Dank für das Interview!

Leila Oppermann