Interview mit Dr. Carolin Gabor, Managing Director bei FinLeap, Ada-Partner

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»Männer wie Frauen müssen an denselben Visionen und Unternehmenszielen arbeiten«

 

Über Dr. Carolin Gabor

Dr. Carolin Gabor ist seit 2016 Managing Director beim FinTech Company Builder FinLeap und verantwortet dort die Bereiche strategische Entwicklung und Wachstum. Vorher war sie bereits CEO bei TopTarif.de und Autohaus24.de und außerdem über zehn Jahre lang als Strategieberaterin für den Finanzdiestleistungsbereich bei der Boston Consulting Group tätig. Ihr umfangreiche Erfahrung nutzt Carolin Gabor unter anderem, um Frauen im FinTech-Bereich stärker untereinander zu vernetzen. Als Gründerin der Fintech Ladies Europe veranstaltet sie exklusive Dinner Events, zu denen sie C-Level Frauen aus der Finanzindustrie einlädt so näher zusammenbringt. Wir freuen uns sehr, dass FinLeap Partner des diesjährigen Ada Summer Camps ist und haben mit Carolin Gabor zu diesem Anlass über erfolgreiche Teams gesprochen und darüber, warum Unterschiedlichkeit ein Erfolgsfaktor ist.

 

Name: Dr. Carolin Gabor

Profession: Managing Director, Gründerin

Unternehmen: FinLeap

Netzwerk: Fintech Ladies Europe

 

Du wolltest eigentlich Theaterschauspielerin werden. Wie bist du im Fintech Bereich gelandet und was erfüllt dich am meisten an deiner Arbeit?

Nach meiner klassischen Bankausbildung und meinem Studium war ich 10 Jahre bei der Boston Consulting Group als Beraterin mit Fokus auf Banken und Versicherungen tätig. Danach folgten Stationen als CEO bei den Digitalunternehmen toptarif.de und autohaus24.de. Aufgrund der Kenntnisse einer Bankerin aus der “alten Welt” gepaart mit dem Know-how aus den beiden Online-Geschäftsmodellen konnte ich mich sehr schnell dafür begeistern, bei FinLeap meinen Beitrag zur Digitalisierung der Finanzindustrie zu leisten. Ich arbeite Tag für Tag mit den besten digitalen Entrepreneuren und erfahrenen Industrieexperten zusammen, um neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, die die Probleme der Kunden besser lösen als bestehende Angebote. Dabei setzen wir ganz bewusst auf Geschäftsmodelle, die B2B2C ausgerichtet sind. Das heißt wir entwickeln Lösungen, die dritten Unternehmen helfen, ihren Kunden digitale Lösungen zum Management ihrer Finanzen anzubieten.


 

Du hast 2016 Fintech Ladies Europe ins Leben gerufen. Was ist das Ziel des Netzwerks und warum brauchen wir (noch) reine Frauennetzwerke?

Es braucht einfach Möglichkeiten sich zu vernetzten und starke Beziehungen zwischen Frauen auf beruflicher Ebene aufzubauen. Schaut man sich die DAX-Unternehmen an, wird ziemlich schnell klar warum: Die Vorstände großer deutscher Unternehmen sind noch immer männerdominiert. In 76 Prozent der Gremien sitzt keine einzige Frau. Ich denke, es liegt daran, dass man gern seinesgleichen fördert und fordert und so die spannenden Positionen immer von Mann zu Mann weitergegeben werden. Mit den Fintech Ladies Europe bringe ich Frauen aus der Finanz- und Fichtechszene durch regelmässige Events zusammen, um den Aufbau von beruflichen Geschäftsbeziehungen unter Frauen zu stärken. Neben dem Engagement, Frauen in Führungspositionen zu vernetzen und zu stärken, richtet sich das Netzwerk zudem auch stark an den Nachwuchs. Im April starten wir den ersten Texx Factor Female Hackathon unter meiner Schirmherrschaft, worauf ich mich sehr freue!


 

Du bist Geschäftsführerin von FinLeap, ihr seid der größte Fintech Company Builder in Europa. Woraus genau besteht eure Arbeit?

FinLeap ist ein Company Builder für Fintech Unternehmen. Wir entwickeln und gründen innovative, digitale Geschäftsmodelle für den hochkomplexen Finanz- und Versicherungssektor. Bei FinLeap verwalte ich den Bereich Growth, bei dem ich gemeinsam mit meinem Team für die strategische Entwicklung und das Wachstum unserer Ventures verantwortlich bin. Aber auch bei der Entwicklung von neue Ideen und Ventures, insbesondere mit Partnern, bin ich stark eingebunden.


 

Mit dem Anteil von Frauen in Führungspositionen steigt der Erfolg von Unternehmen - das sagen unterschiedliche Studien. Siehst du das in deiner täglichen Arbeit mit Startups bestätigt und wenn ja - warum ist das so?

Frauen bringen oft andere Stärken in ein Unternehmen ein als Männer. Sie entscheiden in der Regel besonnener und weniger risikoreich, sind empathischer und pflegen stärker Kontakte, sind zudem sehr verlässlich.

Wichtig ist, dass das Gleichgewicht stimmt. Männer wie Frauen müssen an denselben Visionen und Unternehmenszielen arbeiten und dann ist man gemeinsam erfolgreich.  

Für mich ist aber auch eine grundsätzliche Diversität wichtig. Das bedeutet nicht nur ein Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen, sondern auch unterschiedliche kulturelle Backgrounds, Nationalitäten oder Erfahrungen spielen eine große Rolle, um erfolgreich Projekte umzusetzen.  Bei der FinLeap GmbH haben wir mittlerweile einen ausgeglichenen Anteil an Frauen und Männern auf der Mitarbeiterebene. In der ganzen Gruppe arbeiten rund 600 Mitarbeiter aus 50 Nationalitäten.

 

Wenn du heute selbst ein Startup gründen würdest - welches wäre das?

Unser Texx Factor Female Hackathon wird unter dem Motto ausgerichtet, den Gender Gap zu lösen und Finanzprodukte und -ideen speziell für Frauen zu entwickeln. Frauen müssen anders angesprochen werden, um aus ihrem Geld das beste zu machen. Frauen brauchen einfach andere Lösungen, haben ja auch oft durch Elternzeit oder Teilzeitarbeit ganz andere Herausforderungen zu bewältigen. Ich wünsche mir, dass wir tolle Ideen entwickeln und ich auch unbedingt daran selbst mitarbeiten kann.

 

Was machen erfolgreiche Tech-Startups besser als ihre Konkurrenten?

Bei FinLeap vereinen wir Schnelligkeit, Tech- und Industrieexpertise mit Unternehmergeist.

Schneller und besser zu sein als die Konkurrenz ist in unserem sehr agilen Business total wichtig. Außerdem hat ein erfolgreiches Tech-Start-up die richtigen Talente und natürlich auch Kapital.

 

Carolin, vielen Dank für das Interview!

Leila Oppermann