Interview mit Lea Vajnorsky und Robin Haak, Gründer des Netzwerks »Wo\men Inc.«

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»Wir wollen, dass Engagement für Diversity in Zukunft selbstverständlich ist«

 

 

Über Lea Vajnorsky und Robin Haak

Lea und Robin kennen sich schon lange aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Axel Springer. Bei einem Abendessen kam das Gespräch auf ihre Pläne für die Zukunft. Verbunden durch ihre Leidenschaft, Menschen zusammenzubringen und durch die Gewissheit, dass die Zukunft der Vielfalt gehört, haben sie die Karriereplattform »Wo\men Inc. (Support to Succeed)« gegründet. Lea arbeitet beim Venture Capital Unternehmen Redstone und wusste schon immer, dass sie irgendwann etwas eigenes gründen wird. Sie hat schon als Kind die Dinge gerne selbst in die Hand genommen. Als sie erfolgreich einen Pop-Up Store eröffnet hatte, hat sie Feuer gefangen und sich seitdem gewünscht, irgendwann mit der Idee aufzuwachen. »Wo\men Inc.« ist für sie diese Idee. Robin ist einer der Gründer des Berliner HR-Startups »Jobspotting«, das 2017 von »SmartRecruiters« übernommen wurde. Bei seiner Arbeit begegnet er dem Thema Diversity täglich. Bewerberinnen und Bewerber erfolgreich zu vermitteln, bedeutet für ihn auch, eigene Bias auszuschalten - das gilt für Menschen genauso wie für die künstliche Intelligenz, die »SmartRecruiters« gerade für die Bewerbervermittlung entwickelt.

Im Ada-Interview haben wir unter Anderem darüber gesprochen, warum wir mehr Netzwerke brauchen und warum ein Frauen-Netzwerk auch Männersache sein sollte.

 

Namen: Lea Vajnorsky, Robin Haak

Netzwerk:  Wo\men Inc.

 

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr gemeinsam Wo\men Inc. gegründet habt?

L: In meinem Kopf und in meinem Herzen war seit einiger Zeit klar, dass ich ein Netzwerk aufbauen möchte. Das liegt mir und das habe ich auch schon in verschiedenen Berufen gemacht. Gerade in meiner Arbeit als VC ist mir aufgefallen, in wie vielen Bereichen Frauen immer noch unterrepräsentiert sind. Nach und nach ist dann die Idee gereift, ein Netzwerk aufzubauen, das Frauen bei ihrer Karriere unterstützt.

R: Der konkrete Gedanke zur Gründung kam dann, als Lea ein Networking-Frühstück für Frauen veranstaltet hat. Das ist sehr gut gelaufen aber es gab noch keine konkrete globale Vision und zu dem Zeitpunkt waren eben noch keine Männer dabei. Wir haben uns dann die Frage gestellt, wie man das zu etwas ausbauen könnte, das mehr Reichweite hat. Als Lea auf mich zugekommen ist und gefragt hat, ob wir das nicht zusammen machen wollen, habe ich sofort ja gesagt. Wir kennen uns schon lange und unsere Erfahrungen ergänzen sich sehr gut.

 

Wie baut man ein produktives Karrierenetzwerk für Frauen auf?

L: Wir wollen einen nachhaltigen gesellschaftlichen Mehrwert bieten. Unser Ansatz ist es, ein Netzwerk aufzubauen, das Frauen in ihrer beruflichen Laufbahn unterstützt aber gleichermaßen aus Frauen und aus Männern besteht. Im zweiten Schritt wollen wir etwas zurückgeben und unterstützen zusätzlich zu unseren Networkingveranstaltungen gemeinnützige Projekte, die benachteiligten Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt helfen.

 

Welche Art von Menschen sollen bei Wo\men Inc. zusammenkommen?

R: Spricht man über ein Netzwerk, spricht man auch immer von Menschen. Wo\men Inc. wird nicht durch Lea und mich erfolgreich, sondern durch alle anderen drum herum. Ich denke, ein gutes Motto ist: “Keep assholes out of your life”. Ich dachte früher, dass Courage bedeutet, einzuschreiten, wenn Unrecht passiert. Man kann aber auch sich selbst gegenüber couragiert handeln und integer für die eigenen Werte einstehen. Solche Menschen suchen wir. Unser Netzwerk wird aus Menschen aus verschiedenen Bereichen von Kunst über Politik bis Business bestehen, die Lust haben, etwas zu erschaffen und sich für mehr Diversity einsetzen wollen. Wir kuratieren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer Events selbst - es kommt keine Person, mit der wir nicht vorher gesprochen haben.

 

Woher bekommt ihr Impulse und welche Formate organisiert ihr?

R: Zunächst gibt es den Beirat, der im Moment aus drei Frauen besteht und noch durch Männer ergänzt werden soll. Dann veranstalten wir verschiedene Events. Es wird beispielsweise Panels geben, die so offen und ehrlich sind, dass es sich lohnt, dabei zu sein. In einer kleinen Runde von 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kann offen diskutiert werden - auch über die harten Fragen. Es gibt Veranstaltungen, die für sich stehen und weitere kleine Events mit Partnern wie BeCycle, bei denen wir Spenden sammeln, beispielsweise für die Desertflower Foundation.

 

Was ist euer Ziel für Wo\men Inc. für die nächsten 2 Jahre und für die nächsten 20 Jahre?

R: Wir haben beide noch einen Vollzeitjob und haben uns gesagt, dieses Jahr machen wir so viel, wie wir können. Das bedeutet konkret, dass wir dieses Jahr drei Events machen und dann weitersehen. Wir haben tausend Ideen aber denken realistisch und dieses Jahr ist dafür da, ein Fundament zu schaffen, die Marke aufzubauen und zu lernen.

L: Wir haben eine starke Community in Berlin und unser Ziel ist es, uns in 2 Jahren in mehr Ländern etabliert zu haben. Wenn wir diese Basis haben, können wir den nächsten Schritt machen. Unsere Vision ist, dass es in 20 Jahren noch mehr Plattformen wie Wo\men Inc. gibt, die global zusammenarbeiten. Wir haben das Netzwerk ins Leben gerufen, weil wir einen riesigen Bedarf sehen und wir wollen, dass Engagement für Diversity in Zukunft selbstverständlich ist.

 

Ein letzter Satz?

L: Ein Zitat von Marianne Williamson, das mich persönlich inspiriert, ist: “Your playing small does not serve the world. There's nothing enlightened about shrinking so that other people won't feel insecure around you. We were born to make manifest the glory of God that is within us. It's not just in some of us; it's in everyone. And as we let our own light shine, we unconsciously give other people permission to do the same. As we are liberated from our own fear, our presence automatically liberates others.”

 

Lea und Robin, vielen Dank für das Interview!

Leila Oppermann