Interview mit Ema Paulin, Co-Founder des Vertical Farming Restaurants »Good Bank«

 photo: ©  Chris Marxen

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»Technologie und Digitalisierung werden immer mehr in die Gastronomie integriert«

 

Über Ema Paulin

Ema Paulin ist die Gründerin eines der spannendsten deutschen Food Tech Startups. Beim Vertical Farming Restaurant »Good Bank« wird der Salat Vorort angebaut, die Gäste können jeden Tag bei der Ernte zuschauen. Nach einem Zwischenstopp beim Elektromobilitäts-Startup »Hubject« hatte sie das Bedürfnis, selbst zu gründen und hat Good Bank zusammen mit Co-Founder Leandro Vergani in Lichtgeschwindigkeit innerhalb von acht Monaten realisiert. Mit Christophe Maires von »Atlantic Food Labs« konnte sie einen der bekanntesten deutschen Business Angel als Investor gewinnen. Im Interview spricht sie über die Kommunikation mit Kunden, die Auswahl der richtigen Mitstreiter und darüber, wie es ist, die Gastronomiebranche zu modernisieren.

 

Name: Ema Paulin

Profession: Gründerin

Startup: Good Bank 

 

Wie ist es, als junges Unternehmen die Gastronomiebranche aufzumischen?

Es gibt viel Bewegung von verschiedenen Seiten in der Branche. Natürlich gibt es die alteingesessenen Gastronomen, die sich nichts sagen lassen aber wenn du selbst etwas zukunftsweisendes gestaltest und tatsächlich etwas bewegst, passiert auf einmal sehr viel und du bekommst unglaublich viel Unterstützung. Wir haben das Glück, die Branche von einer sehr kollegialen Seite kennengelernt zu haben. Das hat mich zum Teil überrascht und ist eine riesige Hilfe. Technologie und Digitalisierung sind insgesamt aktuelle Themen und werden immer mehr in die Gastronomie integriert.

 

Nach welchen Kriterien hast du deinen Mitgründer ausgewählt?

Bauchgefühl. Man hat natürlich eine rationale Checkliste, was man von einer Person erwartet und was die eigenen Stärken und Schwächen sind, die die andere Person ergänzen sollte. Im Zwischenmenschlichen sollte man aber immer nach dem Gefühl gehen. Ich bin zum Beispiel kreativ und brauche Freiraum in meiner Arbeitsweise. Leandro ist durch seine vorhergehende Erfahrung als Geschäftsführer mehrerer Unternehmen stark im Operativen und ein Pusher und das ist eine Kombination, die super funktioniert.

 

Hättest du auch alleine gegründet?

Niemals. Das ist in meinen Augen der größte Fehler, den man machen kann. Man ist überfordert und es fehlt auch der Perspektivenwechel. Zwei Personen mit der gleichen Vision aber unterschiedlichen Erfahrungen zu haben, ist ein unglaublicher Vorteil. Als Beispiel: Man ist krank - wer macht den Job und besitzt den gleichen Überblick und das gleiche Wissen über das Unternehmen? Auch bei Verträgen – angefangen bei Investoren, Real Estate und strategischen Partnern -, Implementierung neuer Verkaufskanäle und der Einstellung neuer Mitarbeiter braucht man eine zweite Meinung, der man vertraut.

 

Was empfiehlst du anderen Gründerinnen bei der Investorensuche?

Träume und Ideen haben viele. Es ist wichtig, in der Umsetzung und in der Kommunikation sehr konkret zu sein. Man muss sich auch bewusst sein, wie viel Arbeit das ist. Man muss sich ehrlich fragen, ob man den Mut hat, diesen Schritt zu gehen. Man wird für alles, was man entscheidet, zur Rechenschaft gezogen und muss alle Zügel in der Hand halten – es gibt niemanden der die Verantwortung für einen übernimmt. Es ist gut, wenn man schon etwas vorweisen kann, zum Beispiel ein Netzwerk an potentiellen Business Partnern oder etwas was ganz selbstverständlich klingt aber nicht ist, erste Kunden die dein Produkt haben wollen bzw. schon kaufen. Zum Einstieg kann es sich auch lohnen, auf einer Trendwelle mitzuschwimmen - wobei man sehr vorsichtig sein muss, nicht einen Nischenhype mitzumachen, der nächstes Jahr wieder vorbei ist.

 

Good Bank ist ein neues Konzept, das den Kunden noch nicht vertraut ist. Worauf achtest du in der Kommunikation mit Gästen?

Es ist wichtig, zuzuhören und dazuzulernen. Anfangs haben wir den Fokus auf visuelles Marketing gelegt und hatten dadurch schon vor der Eröffnung eine große Followergemeinschaft auf Instagram. Jetzt konzentrieren wir uns auf das Erlebnis im Restaurant. In den nächsten Wochen wird sich unsere Website verändern und es wird die Möglichkeit geben, Salatpate zu werden und sich vor Ort noch mehr zu informieren.

 

Ema, vielen Dank für das Interview!

 

Leila Oppermann