Interview mit Imke von Johnston und Janka Oeljeschlager, Gründerinnen des Yogawear Startups »Hey Honey«

Janka Oeljeschlager I Imke von Johnston 3.jpg

 

»Wir wachsen lieber langsam und nachhaltig, als in ein, zwei Jahren auszubrennen«

 

 

Über Imke von Johnston und Janka Oeljeschlager

Imke von Johnston und Janka Oeljeschlager sind Schwestern, Yoginis und Gründerinnen. Sie stecken hinter der Yoga- und Activewear Marke »Hey Honey«, die seit ihrer Gründung vor zwei Jahren unaufhaltsam wächst und über die schon die deutsche »Vogue« geschrieben hat. Beide Schwestern haben lange in der Textilbrache gearbeitet, bevor sie den Schritt zur Gründung gegangen sind. Imke hat als PR Managerin unter Anderem Zwischenstationen bei Louis Vuitton und Häberlein & Mauerer gemacht. Janka war bei »OTTO« und »Conleys« als Einkäuferin tätig. Auch ihre dritte Schwester sitzt mittlerweile mit im Büro - ein echtes Familienunternehmen. Wir haben mit Janka und Imke über Influencermarketing gesprochen und darüber, wie man ein ehrliches Unternehmen aufbaut.

 

Namen: Imke von Johnston, Janka Oeljeschlager

Profession: Gründerinnen

Startup: Hey Honey

 

Ihr habt beide erfolgreich in der Textilbranche gearbeitet. Warum wolltet ihr selbst gründen?

Janka hatte schon länger über Selbstständigkeit nachgedacht. Imke stand nach sechs Jahren Agenturleben vor der Entscheidung, wie es beruflich weitergehen soll und kein Angebot hat sie wirklich gereizt. In dieser Zeit haben wir beiden intensiv Yoga geübt, waren viel auf Reisen und kamen mit der Frage zurück nach Hause, warum Yoginis in Deutschland in einfarbigen tristen Leggings zum Yoga gehen während man in Kalifornien und auf Bali ein viel farbenfroheres Bild sieht. Wir wollten es einfach probiert haben und wissen, ob unsere Idee funktioniert.

 

Ihr seid unter anderem über Instagram bekannt geworden. Wie baut man erfolgreiches Influencermarketing auf?

Wir managen unser gesamtes Marketing und somit auch unsere Social Media Kanäle inhouse. Zum einen aus budgetären Gründen, zum anderen aber auch, um einen direkten persönlichen Kontakt zu Kooperationspartnern aufzubauen. Bei der Auswahl der Influencer sind uns Qualität und Authentizität  wichtiger als reine Reichweite. Wir wollen unseren Kundinnen auf allen Kanälen einen unverfälschten Spirit von Hey Honey vermitteln. Das geht unserer Meinung nach nur, wenn man mit viel Sorgfalt genau die Botschafter aussucht, die wirklich mit Leidenschaft dabei sind. So erreichen wir neue Follower, die dann auch den Weg in unseren Shop finden und zu Kundinnen werden.

 

Um eure Marke baut ihr auch eine Community auf und veranstaltet Events. Warum war das für euch wichtig?

Das Thema Gemeinschaft bringt Yoga schon von sich aus mit. Man praktiziert in Gruppen und findet überall auf der Welt Anschluss. Es lag auf der Hand, das aufzugreifen und in unser Unternehmen zu integrieren. Wir haben eine sehr loyale Community, mit der wir uns offline wie online austauschen, Kooperationen umsetzen und miteinander wachsen.

 

Ihr wachst zur Zeit organisch. Plant ihr, in der Zukunft mit Investoren zusammenzuarbeiten?

Die Idee war immer, es bootstrapped zu schaffen und das hat auch funktioniert. Darauf sind wir sehr stolz. Aktuell sind wir in der glücklichen Situation, dass wir unser Wachstum aus dem Cash Flow finanzieren können. Trotzdem ist ein möglicher Investor aus strategischen Gesichtspunkten immer mal wieder Thema, wir sind hier per se offen für Gespräche.

Das wichtigste ist für uns, die Richtung unserer Firma immer selbst zu bestimmen. Im Yoga geht es eben um Natürlichkeit und Nachhaltigkeit und damit nicht um ‘höher, schneller, weiter’ sondern um ‘tiefer, langsamer, näher’. Wir wachsen lieber langsam und nachhaltig, als in ein, zwei Jahren auszubrennen.

 

Ihr produziert in Europa unter fairen Bedingungen. Wie schafft man den Spagat zwischen Qualität, Verantwortung und Rentabilität?

Erstmal muss man sagen, dass es auch zum Beispiel in Indien sehr gute und vertrauenswürdige Lieferanten gibt. Für uns waren kurze Wege in Europa eine Umweltentscheidung und auch eine wirtschaftliche. In Asien ist der Einkaufspreis vielleicht geringer, aber dort zu produzieren bringt andere Risiken mit sich: Man hat weniger Kontrolle, die Logistik ist schwieriger, man braucht Agenten vor Ort, die auch ihre Marge haben wollen. Bei kurzen Wegen können wir viel schneller reagieren und sind im Zweifelsfall in wenigen Stunden vor Ort.

 

Habt ihr es beim Gründen als Nachteil erlebt, Frauen zu sein?

Nein, eher im Gegenteil. Aber das liegt auch einfach an der Branche. Wir haben unser Business mit sehr guten Kontakten gestartet, viele davon sind Frauen. Das einzige, was ein wenig schade ist: Wir sind - zumindest in Hamburg - allein auf weiter Flur. Es fehlt hier ein Netzwerk von Gründerinnen, mit denen man sich austauschen und Erfahrungswerte teilen kann.

 

Imke und Janka, vielen Dank für das Interview!

Leila Oppermann