Interview mit Franziska Wenzel, Investment Managerin bei »Tengelmann Ventures«

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»Das wichtigste am Anfang ist es, in ein gutes Netzwerk zu investieren«

 

Über Franziska Wenzel

Franziska Wenzel weiß sehr genau, wie sich ein Startup gut präsentieren kann. Sie hat BWL mit Schwerpunkt Marketing und Vertrieb studiert und danach bei Bertelsmann einiges über Unternehmensstrukturen gelernt. Außerdem hat sie die Anfänge der deutschen Gründerszene miterlebt und unter anderem zweimal einen Businessplan Wettbewerb zusammen mit der FAZ in Berlin mitorganisiert. Als Investment Managerin bei der »Tengelmann Ventures« hat sie immer „zwei Hüte“ auf. Einmal den klassischen VC Hut und dann den Impact Hut. Eins ihres Portfolios ist »CareerFoundry«, eine Online Education Plattform, die bei Tengelmann Ventures als ein klassischer VC Case behandelt wird. Im Ada-Interview hat sie ihre fundierte Erfahrung als VC mit uns geteilt.

 

Name: Franziska Wenzel

Profession: Investment Managerin

Unternehmen: Tengelmann Ventures

 

Worauf achtest du, wenn du in Social Startups investierst?

Wenn ich nach Impact Investing Ideen suche, schaue ich mir oft klassische Startups an, die einen hohen Social Impact haben und den vielleicht noch gar nicht so stark nach außen kommunizieren. Wichtig ist, dass die Komponenten 'Social' und ‘Business’ gleichermaßen ausgebaut sind. Es muss eine starke intrinsische Motivation vorhanden sein und genauso ein ausgeprägter Geschäftssinn.

 

Was können Social Startups besser machen?

Management-Teams im sozialen Bereich können sich im Bereich Vertrieb und Wachstumsstrategie noch stark verbessern. Es ist zudem wichtig, sich auf Aspekte wie Investmentverträge und Pitchdeck genauso zu konzentrieren, wie auf den Social Impact. Ein Problem sind auch fehlende Geldquellen in Deutschland, hier sind wiederum die VCs gefragt, ihren Fokus auszubauen und eine Offenheit für neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die USA sind uns in diesem Bereich um Einiges voraus. Zwei gute Beispiele ist sind »Toms Shoes« und »Warby Parker« - in Deutschland fehlt ein solches Vorbild bisher.

 

In welchen Bereichen fehlen noch Gründerinnen? Welche Startups sollten noch gegründet werden?

Ich würde gerne viel mehr Frauen in Bereichen wie FinTech, InsurTech, HealthTech und AgriTech sehen. Hier wird im Moment sehr viel Investiert. Ein sehr unterschätzter Bereich ist auch FemTech - also der HealthTech Bereich, der sich auf weibliche Themen wie Zyklus und Schwangerschaft fokussiert. Hier wird erst nach und nach bekannt, wie groß der Need ist, der dahinter steht und welches Potential dieser Bereich bietet.

 

Worauf sollten Gründerinnen beim Investorenpitch achten?

Frauen verwenden im Durchschnitt mehr Wörter als Männer. Das führt platt gesagt manchmal dazu, dass das Gegenüber schneller abschaltet. Man sollte sich kurz halten und sehr schnell zum Punkt kommen und die Zahlen parat haben. VCs sehen tausende Unternehmen im Jahr und können sich dadurch schnell in das Geschäftsmodell hineinfuchsen. Wir schauen mehr auf bestehende Key Performance Indicators und auf den Finanzplan. Das sind natürlich nur Tendenzen - es gibt auch Männer, die stundenlang von ihrem Lebenslauf sprechen.

 

Welche Fähigkeiten sollte eine angehende Gründerin stärken, um erfolgreich zu sein?

Das wichtigste am Anfang ist es, in ein gutes Netzwerk zu investieren, in dem es auch BusinessAngels gibt und starke Mentoren, die eine Intro zu zukünftigen Partnern und Investoren machen können. Außerdem sollte man sich Zeit nehmen, einen soliden Businessplan aufzubauen und das Produkt zu testen - viele machen den Fehler, Investoren zu früh anzusprechen. Wenn man neu in der Gründerszene ist, sollte man außerdem Veranstaltungen besuchen und verstehen, wie das System funktioniert und was die Ansprüche sind.

 

Franziska, vielen Dank für das Interview!

 

Franziska ist Mentorin beim Ada Accelerator Camp 2018

Leila OppermannMentor