Interview mit Farina Schurzfeld, Co-Founder des Online-Therapieportals »Selfapy«

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»Das schwierige ist nicht die Idee, sondern die Umsetzung«

 

Über Farina Schurzfeld

»Selfapy« ist bereits das dritte Unternehmen, das Farina Schurzfeld gegründet hat. Bevor sie sich des Themas Mentale Gesundheit angenommen hat, war sie Teil des Gründungsteams von »Groupon« und General Manager bei »Airtasker«, einem Online Marktplatz für Mini Jobs. Außerdem wurde sie 2017 in die »Forbes Top 30 unter 30« gewählt. Ihr aktuelles Startup zu gründen, war für sie ein Herzenswunsch, den sie nicht nur geträumt, sondern zusammen mit Katrin Bermbach und Nora Blum auch direkt in die Tat umgesetzt hat. »Selfapy« vermittelt Strategien zur Selbsthilfe, die bei leichten und mittelschweren psychischen Erkrankungen eine sehr gute Alternative zur klassischen Psychotherapie sind, und das ohne Wartezeit und von zu Hause aus. Wir haben mit Farina unter anderem über Mindfulness im Gründungsprozess und die Zukunft von HealthTech gesprochen.

 

Name: Farina Schurzfeld

Profession: Serial Entrepreneur, Co-Founder des Startups »Selfapy«

Web: www.selfapy.de

 

Eine Unternehmensgründung bedeutet viel Stress und lange Arbeitszeiten. Wie können Gründer mental gesund bleiben?

Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zu finden. Als Gründer arbeitet man nicht 40 Stunden in der Woche, legt abends um 6 sein Telefon weg und hat Feierabend. Deswegen ist es wichtig, sich Entspannungsoasen zu bauen und beispielsweise Samstags konsequent Zeit für sich selbst einzuplanen und dem Geist Entspannung zu gönnen. Das sind auch Kleinigkeiten - man sollte eine allgemeine Achtsamkeit für das eigene Wohlbefinden entwickeln. Wenn das Stresslevel hochgeht, muss man das erstmal wahrnehmen können. Dann gibt es Techniken, mit denen man gegensteuern kann. Ich gehe zum Sport und mache Walking Meetings, in denen man zusammen spazieren geht. Abends schalte ich die Push-Funktion für Emails auf meinem Telefon aus.

 

Als Gründer leitet man nicht nur sich selbst, sondern auch Teams. Wie leitet man mindful?

Man sollte aufpassen, dass sich eigener Stress nicht auf das Team überträgt - diesen Faktor kann man gar nicht überschätzen. Außerdem kann man nicht davon ausgehen, dass der eigene Anspruch in allen Bereichen auch der jedes einzelnen Teammitglieds ist. Man sollte das eigene Erleben filtern und bewusst abwägen, was davon an das Team kommuniziert wird. Das wichtigste an einer Firma ist das Team, deswegen sollte man auch zurückgeben, mal ein Frühstück organisieren und den Mitarbeitern aufmerksam zuhören.

 

Welche Fehler sollte man beim Gründen vermeiden?

Man sollte alle Themen im Finanzbereich mit großer Wichtigkeit behandeln. Buchhaltung im Nachhinein aufzuräumen, macht keinen Spaß. Der zweite Punkt ist die Unternehmenskultur. Hier sollte man auf große Offenheit in der Kommunikation achten und die Mitarbeiter mindestens genauso hoch priorisieren wie das Produkt. Gute Kultur scheint nach außen und zieht Talente an, das ist am Ende des Tages ein wichtiger Erfolgsfaktor.

 

Wie hast du eure Finanzierungsrunden erlebt und welchen Rat kannst du mitgeben?

»Selfapy« hat bisher knapp zwei Millionen Euro eingesammelt. Es ist wichtig, in sich zu gehen und die Strategie immer wieder anzupassen. Beim ersten Gespräch macht man vielleicht ein, zwei Fehler aber man sollte schnell lernen und beim zweiten Gespräch alle Zahlen vorwärts und rückwärts parat haben. Der Gesundheitsbereich, den wir bespielen, ist für manche VCs noch Neuland und da muss man das Konzept klar vermitteln können. Das Frausein haben wir eher als Vorteil erlebt und von einigen VCs die Rückmeldung bekommen, dass sie sehr gerne in Gründerinnen investieren, weil die Erfolgsrate überdurchschnittlich hoch ist.

 

Wie geht es mit HealthTech in Deutschland weiter?

Im deutschen Gesundheitsmarkt gibt es viele Ineffizienzen, die noch nicht durch Digitalisierung penetriert sind und Geschäftsfelder für Startups bieten. Beispiele sind die Kommunikation mit Ärzten, das Verschreiben von Rezepten, Telemedizin. Interessant sind auch MedTech und der ganze Pharmabereich. Die Forschung wird zudem nach und nach digitalisiert, das ist sehr spannend zu sehen. Die USA und die skandinavischen Länder sind da Vorreiter, da haben wir in Deutschland noch viel aufzuholen.

 

Welches Thema kommt in Interviews oft zu kurz?

Es wird selten danach gefragt, was ich persönlich falsch gemacht habe. Was schade ist, weil andere daraus etwas lernen können. Ich hatte am Anfang Angst, dass andere meine Geschäftsidee klauen könnten, wenn ich mit zu vielen Leuten darüber spreche. Das ist aber Blödsinn, denn das Schwierige ist ja nicht die Idee, sondern die Umsetzung. Wenn man mit anderen spricht, bekommt man wertvollen Input, den man sich auch zu Herzen nehmen sollte.

 

Farina, vielen Dank für das Interview!

 

Farina ist Mentorin beim Ada Accelerator Camp 2018

Leila OppermannMentor