Interview mit Therese Breyer, Gründerin »Addis Essentials« & Operations Manager »Markthalle Neun«

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»Auf dem Hohen Ross zu sitzen, macht dein Produkt nicht besser«

 

Über Therese Breyer

Therese Breyer hatte für ihr Leben keinen wirklichen Karriereplan. Sie ist immer ihrem Bauchgefühl gefolgt. Erst in die Kunstwelt nach Berlin, dann nach Äthiopien, wo sie für Rocket Internet eine Onlineplattform für Immobilien aufgebaut hat. Nebenbei hat sie dort auch ihre eigene Firma Addis Essentials gegründet, über die sie fair und von Hand produzierte Ledertaschen vertreibt. Addis Essentials gibt es immer noch, den Job bei Rocket hat sie gegen die Leitung des Lieferservice der Berliner Institution Markthalle Neun eingetauscht. Therese ist Unternehmerin durch und durch. Wir haben sie im Café der Markthalle getroffen und sie nach dem Rezept für ihre enorme Produktivität gefragt.

 

Name: Therese Breyer

Profession: Gründerin »Addis Essentials« & Operations Manager »Markthalle Neun«

Web: http://www.addis-essentials.com/

Update: Ab April 2018 ist Therese Global Operations Manager beim Urban Farming Startup Infarm.

 

Du baust gerade den digitalen Marktplatz der »Markthalle Neun« auf und gleichzeitig dein eigenes Taschenbusiness »Addis Essentials«. Wie bringst du das unter einen Hut?

Egal, was ich tue, ich mache es 200%. Ich kann nicht nach acht Stunden Arbeit in der Markthalle nach hause gehen und da müde an der nächsten Sache weiterarbeiten. Deswegen funktioniert es bei mir nur, wenn ich mir Urlaub nehme bzw. mal ein Wochenende durcharbeite. Ich miete dann zum Beispiel ein Airbnb in Brandenburg und arbeite dort nur an meiner Firma.

 

Worauf achtest du bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten?

Es geht viel um Bauchgefühl und die persönliche Entscheidung, mit welchen Leuten man sich umgeben möchte. Erfolg misst sich bei mir nicht nur monetär sondern auch persönlich. Dazu muss man immer seine Frau stehen und sagen: ‘Das lasse ich mit mir machen und das nicht’. Ich bin sehr resolut und sage, wenn mir etwas nicht passt. Das ist ein großer Vorteil und schützt davor, übers Ohr gehauen zu werden.

 

Was hilft Dir als Gründerin weiter?

Man kann nicht in jedem Bereich zu 100% glänzen und es ist wichtig zu wissen, worin man gut ist und sich in den anderen Bereichen Unterstützung zu holen. Klar zeigen, was man in Ordnung findet und was nicht. Ich habe gewisse Qualitätsansprüche und wenn mir jemand da nicht gerecht wird, gehe ich keinen Kompromiss ein und stehe für meine Prinzipien grade. Ein klares Regelwerk zu haben, gibt eine enorme Selbstsicherheit. Und: Mit den richtigen Leuten über die richtigen Dinge sprechen. Man kann in einer Stunde lernen, wie man einen guten Kommunikationsplan aufstellt, wenn jemand das gut erklärt und Ahnung hat.

 

Vor welchen Herausforderungen stehst du als Chefin?

Am Anfang ist man alleine und denkt an Businesspläne und an die eigene Marke aber dann kommen echte Menschen dazu, mit denen man umgehen muss. Ich habe den Anspruch an mich und an andere, gute Arbeit zu machen und irgendwann kommt man immer an den Punkt, wo ein Kunde auch mal enttäuscht wird. Es ist wichtig, dass einem das noch nah geht und am Ende des Tages der Kunde zu hundert Prozent zufrieden ist.

 

Welches Verhalten tolerierst du nicht?

Eine egal-Haltung, die zu schlechter Arbeit führt und Egoismus in der Arbeitsweise. Man muss immer den Anspruch haben, seine Arbeit jeden Tag ein bisschen besser zu machen – wenn man da anderer Meinung ist, wird die Zusammenarbeit mit mir frustrierend.

 

Was ist dir sonst noch wichtig?

Eine Hands-on Mentalität. Auch mal Sachen machen, die für manche vielleicht Praktikantenarbeit sind. Nur so versteht man sein Unternehmen im Ganzen und bleibt Teil des Teams. Auf dem Hohen Ross zu sitzen, macht dein Produkt nicht besser.

 

Therese, vielen Dank für das Interview!

 


Therese ist Mentorin beim Ada Accelerator Camp 2018

 

Leila OppermannMentor